A warm, sunlit kitchen scene featuring a freshly cut pineapple on a wooden table, with a cozy home atmosphere that reflects an everyday moment turning into a small personal realization.

Von Jane Sonnenschein · 16. August 2026

Seit ein paar Tagen lag bei uns zu Hause eine Ananas auf dem Esstisch.

Als wir sie frisch aus dem Supermarkt mitgebracht hatten, waren ihre Blätter noch grün und sie sah ganz frisch aus. Doch Tag für Tag wurden die Blattspitzen gelber, und irgendwann flogen sogar kleine Insekten um sie herum. Wir kochen und essen jeden Tag an diesem Tisch, deshalb war es nicht so, dass ich die Ananas einfach vergessen hätte. Ganz im Gegenteil: Ich sah sie jeden Tag. Und fast jedes Mal, wenn mein Blick auf sie fiel, dachte ich dasselbe: Sollte ich diese Ananas nicht endlich schneiden?

Aber ich tat es nicht.

Es war auch nicht die erste Ananas, die wir gekauft hatten.

Beim letzten Mal wusste ich ebenfalls nicht so recht, wie ich sie am besten schneiden sollte. Als ich in China aufwuchs, sah ich auf der Straße oft bereits fertig geschälte Ananas. Die Schale war entfernt, und die dunklen „Augen“ wurden einzeln herausgeschnitten, sodass am Ende diese spiralförmigen Rillen entstanden und möglichst viel Fruchtfleisch erhalten blieb.

Vielleicht hatte sich gerade deshalb bei mir eingeprägt, dass eine Ananas kein Obst ist, das man einfach mit irgendeinem Küchenmesser schält. In meinem Kopf gehörten dazu eine bestimmte Technik und vielleicht sogar ein spezielles Werkzeug.

Beim letzten Mal hatte ich keine Lust, selbst danach zu suchen, und bat Chris, im Internet nachzusehen, wie man eine Ananas richtig schneidet. Später meinte er, es gebe tatsächlich ein spezielles Werkzeug, mit dem man diese Augen entfernen könne, ohne dabei so viel Fruchtfleisch wegzuschneiden. So etwas könne man auch bei Amazon kaufen.

Meine erste Reaktion war: Wegen einer einzigen Ananas extra noch ein Werkzeug kaufen? Das ist doch auch wieder umständlich.

Also kauften wir das Werkzeug nicht.

Und die Ananas schnitten wir ebenfalls nicht.

So lag sie Tag für Tag auf unserem Esstisch. Irgendwann dachte ich schließlich: Heute sollte ich mich wirklich darum kümmern. Doch als ich sie hochhob, sah ich, dass sich an der Unterseite bereits Schimmel gebildet hatte.

Da gab es nichts mehr zu überlegen.

Die ganze Ananas landete im Müll.

Als meine Tochter dieses Mal im Supermarkt wieder eine Ananas kaufen wollte, war ich deshalb zunächst gar nicht besonders begeistert. Ich erinnerte mich noch genau daran, wie die letzte geendet hatte.

Aber sie wollte gern Ananas essen, also kauften wir doch eine.

Und dann begann etwas sehr Vertrautes von vorn.

Die neue Ananas landete wieder auf dem Esstisch. Jeden Tag sah ich sie. Jeden Tag dachte ich, dass ich mich endlich darum kümmern sollte. Und jedes Mal hatte ich trotzdem das Gefühl: Heute habe ich irgendwie keine Lust darauf.

Ich erinnerte mich daran, vor einiger Zeit irgendwo ein Video gesehen zu haben, in dem jemand eine Ananas ohne besonderes Werkzeug schnitt. Die Methode sah ziemlich geschickt aus, gleichzeitig einfach, und es schien auch nicht viel Fruchtfleisch verloren zu gehen. Damals hatte ich noch gedacht: Ach, so kann man eine Ananas also auch schneiden.

Nur wusste ich jetzt, als ich dieses Video tatsächlich gebraucht hätte, überhaupt nicht mehr, wo ich es gesehen hatte.

War es auf TikTok gewesen? Oder auf einer anderen Plattform?

Ich wusste nur noch, dass mir die Methode gefallen hatte. Wie genau sie funktionierte, wusste ich nicht mehr.

Und schon gab es eine neue Hürde: Ich musste dieses Video erst einmal wiederfinden.

Eigentlich klingt das nach einer winzigen Sache. Doch sobald sie in meinem Kopf angekommen war, wurde daraus sofort ein ganzer Ablauf: Zuerst müsste ich nach einer Anleitung suchen, am besten genau nach diesem Video. Wenn ich es nicht finde, müsste ich verschiedene Methoden vergleichen. Möglichst wenig Fruchtfleisch sollte verloren gehen. Aber würde ein normales Messer überhaupt funktionieren? Brauchte ich am Ende doch ein spezielles Werkzeug?

So kam es, dass ich jedes Mal, wenn ich die Ananas ansah, das Gefühl hatte, dass die ganze Sache irgendwie lästig war.

Meine Tochter wurde deutlich ungeduldiger als ich.

Vor ein paar Tagen fragte sie schon: „Mama, wann schneidest du endlich die Ananas?“

Ich sagte, ich würde mir noch eine Anleitung ansehen.

Am nächsten Tag fragte sie wieder.

Ich hatte immer noch nicht nachgesehen.

Gestern war ich müde und hatte kaum Energie. Als sie mich noch einmal daran erinnerte, sagte ich, dass ich heute wirklich keine Lust mehr darauf hätte und es morgen machen würde.

Heute fragte sie schließlich wieder:

„Kannst du die Ananas heute endlich schneiden? Sonst wird sie wieder schlecht.“

Ich sah noch einmal zu der Ananas auf dem Tisch.

Die Blätter, die anfangs noch grün gewesen waren, hatten inzwischen deutlich gelbe Stellen. Auch kleine Insekten flogen bereits um sie herum. Von außen wirkte sie zwar immer noch fest und robust, voller Stacheln und irgendwie wie eine Frucht, mit der man sich besser nicht anlegt. Aber ich wusste, dass es bei der letzten Ananas genauso angefangen hatte: Tag für Tag sah sie noch „eigentlich ganz okay“ aus, bis sie plötzlich nicht mehr essbar war.

Diesmal konnte ich es wirklich nicht mehr lange hinausschieben.

Nach dem Essen sagte ich zu meiner Tochter: „Gib mir noch einen Moment. Ich schaue gleich mal nach.“

Ich öffnete Bilibili, eine chinesische Videoplattform, die oft grob mit YouTube verglichen wird, und suchte nach „Wie schält man eine Ananas?“.

Ich sah mir mehrere der ersten Videos an, die angezeigt wurden.

Keines davon gefiel mir besonders.

Die Methode darin war fast schon brutal einfach: Zuerst schnitt man oben und unten jeweils ein Stück ab, stellte die Ananas aufrecht hin und schnitt dann mit einem Messer die Schale von oben nach unten rundherum ab. Weil dabei auch die dunklen Augen entfernt werden mussten, ging mit jedem Schnitt ziemlich viel Fruchtfleisch verloren.

Einige Videos trugen sogar Titel wie „Eine Ananas in einer Minute schneiden“.

Während ich zusah, dachte ich nur: Das ist aber ganz schön großzügig weggeschnitten. Wie viel Ananas bleibt am Ende überhaupt noch übrig?

Das hatte überhaupt nichts mit den Ananas zu tun, die ich als Kind auf der Straße gesehen hatte. Damals entfernten die Verkäufer zuerst die Schale und bearbeiteten anschließend jedes einzelne Auge sorgfältig. Am Ende blieb eine sehr vollständige, wunderschön geschnittene Ananas übrig.

Die Methoden in diesen Videos waren natürlich schnell. Für mich sah es aber eher nach „zack, zack, zack“ aus – Schale weg, Fruchtfleisch gleich mit.

Innerlich wollte ich mich damit immer noch nicht so recht anfreunden.

Ich dachte sogar weiterhin darüber nach, wo denn dieses eine so clevere Video geblieben war, das ich früher gesehen hatte. Warum konnte ich es einfach nicht wiederfinden?

Spätestens an diesem Punkt wurde die Sache eigentlich schon ein bisschen absurd.

Die Ananas war kurz davor, schlecht zu werden. Ich hatte längst eine Methode gefunden, die völlig brauchbar war. Und trotzdem wollte ich noch immer nicht anfangen, nur weil diese Methode für mich „nicht gut genug“ war.

Nachdem ich das Geschirr gespült hatte, schaute ich noch einmal zu der Ananas.

Nein.

So konnte es nicht weitergehen.

Wenn ich sie jetzt nicht schnitt, würde sie wirklich wieder verderben.

Ich holte einen dicken Ofenhandschuh, wie man ihn benutzt, um heiße Sachen aus dem Backofen zu nehmen. Die Ananas war ziemlich stachelig, und ich wollte sie nicht mit der bloßen Hand festhalten. Dann nahm ich unser großes Küchenmesser und schnitt, so wie ich es gerade im Video gesehen hatte, zuerst beide Enden ab.

Ich hatte mir die ganze Zeit vorgestellt, dass die Schale einer Ananas so hart und dick sein müsse, dass ein normales Messer vermutlich kaum durchkommt.

Doch als ich wirklich den ersten Schnitt machte, war ich kurz überrascht.

So schwer war es überhaupt nicht.

Das Messer ging problemlos hindurch.

Zuerst probierte ich es noch mit einem Sparschäler, aber damit kam ich tatsächlich nicht weit. Also gab ich das schnell auf, nahm wieder das große Messer, stellte die Ananas aufrecht hin und schnitt die Schale von oben nach unten Stück für Stück ab.

Zack, zack, zack.

Schon war ich fertig.

Natürlich ging dabei tatsächlich etwas mehr Fruchtfleisch verloren als bei der feinen Methode, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Und ich wusste auch, dass mit einem speziellen Werkzeug oder mit mehr Zeit, wenn man jedes einzelne Auge sorgfältig entfernt, mehr Fruchtfleisch übrig geblieben wäre.

Aber der gesamte Vorgang dauerte vielleicht zwei oder drei Minuten.

Ich entfernte noch den härteren Strunk in der Mitte, schnitt die Ananas in Stücke – und damit war die Sache erledigt.

Ich stand da und sah die geschnittene Ananas an. Plötzlich hatte ich ein merkwürdiges Gefühl.

Da war diese Sache, die ich tagelang vor mir hergeschoben hatte. Jeden Tag hatte ich sie gesehen und daran gedacht, und jedes Mal hatte ich das Gefühl gehabt: Das ist irgendwie ziemlich umständlich.

Und als ich es tatsächlich tat, dauerte es nur ein paar Minuten.

Noch interessanter war etwas anderes: Nur weil ich die Ananas mehrere Tage lang nicht geschnitten hatte, bedeutete das keineswegs, dass sie in dieser Zeit keine Zeit von mir beansprucht hatte.

Sie lag schließlich jeden Tag dort.

Und jedes Mal, wenn ich sie sah, fing ich innerlich wieder von vorne an: Schneide ich sie heute? Ich habe noch keine Anleitung gefunden. Wo war noch mal dieses Video? Funktioniert ein normales Messer überhaupt? Brauche ich doch ein spezielles Werkzeug? Ist es nicht viel zu schade, so viel Fruchtfleisch wegzuschneiden?

Jedes Mal, wenn meine Tochter mich daran erinnerte, dachte ich wieder darüber nach.

Die wirklichen Kosten dieser Ananas bestanden also nicht nur aus den drei Minuten, die ich am Ende für das Schneiden brauchte.

Schon Tage vorher hatte ich immer wieder einen kleinen psychischen Preis dafür bezahlt.

Und plötzlich musste ich daran denken, dass es in meinem Leben viele Dinge gibt, bei denen ich genauso reagiere.

Solange ich etwas noch nicht gemacht habe, stelle ich es mir oft viel schwieriger vor, als es tatsächlich ist.

Zum Beispiel die Jobsuche.

Lange Zeit dachte ich bei dem Gedanken, wieder nach Arbeit zu suchen, sofort an alles gleichzeitig: Ich müsste meinen Lebenslauf komplett überarbeiten. Meine beruflichen Erfahrungen aus all den Jahren waren lang und unübersichtlich. Wie sollte ich einen deutschen Lebenslauf schreiben? Was, wenn ich mich bei deutschen Firmen bewerbe und abgelehnt werde? Wie würde ein Vorstellungsgespräch laufen? Was würden andere von meinem beruflichen Werdegang halten, der über die Jahre immer wieder Unterbrechungen hatte?

Noch bevor ich überhaupt eine einzige Bewerbung abgeschickt hatte, war aus „mich auf eine Stelle bewerben“ in meinem Kopf bereits ein riesiges Projekt geworden.

Mit meiner eigenen Website war es genauso.

Ich schob sie monatelang vor mir her.

Immer wieder dachte ich, ich müsste nur den richtigen Zeitpunkt finden, um endlich anzufangen. Manchmal wollte ich sogar einen „guten Tag“ dafür auswählen.

Merkwürdigerweise war es dann jedes Mal so, dass dieser Tag irgendwann tatsächlich kam und ich plötzlich fand, dass ich heute nicht in der richtigen Stimmung sei. Oder es gab noch andere Dinge zu tun. Oder ich hatte das Gefühl, noch nicht gut genug vorbereitet zu sein.

Der gute Tag verging.

Und die Website gab es immer noch nicht.

Bis zum 1. Juli.

An diesem Tag wurde mir plötzlich klar: Die Hälfte des Jahres war bereits vorbei.

Wenn ich heute wieder nicht anfange, wann eigentlich dann?

Dieser Moment fühlte sich ein bisschen so an wie der Blick auf die gelb werdenden Blätter der Ananas.

Aus „Das kann ich später noch machen“ wurde plötzlich: „Wenn ich es jetzt nicht mache, verdirbt die Sache wirklich.“

Also fing ich an.

Natürlich war der Aufbau einer eigenen Website viel komplizierter als das Schneiden einer Ananas. Aber als ich erst einmal begonnen hatte, war auch das längst nicht so beängstigend, wie ich es mir vorher ausgemalt hatte.

Bei vielen Dingen erkennt man den nächsten Schritt erst, nachdem man den vorherigen gemacht hat. Es ist unmöglich, schon vor dem Anfang jedes Problem zu lösen, das irgendwann auftauchen könnte.

Ich hatte mir früher auch einmal einen Drucker gekauft, weil ich selbst einige Dinge ausdrucken wollte. Ich kaufte den Drucker, Tinte und verschiedene andere Materialien. In die Vorbereitung hatte ich einiges investiert.

Dann funktionierte mein erster Versuch nicht.

Also hörte ich auf.

Ich machte nicht weiter und schickte die Sachen auch nicht zurück.

Auf den ersten Blick sind das völlig unterschiedliche Dinge: eine Ananas, eine Website, die Jobsuche, ein Drucker.

Aber inzwischen glaube ich immer mehr, dass hinter all diesen Situationen ein sehr ähnliches Muster steckt.

Bevor ich wirklich anfange, stelle ich mir eine Sache gern in ihrer vollständigsten, idealsten und damit auch kompliziertesten Form vor.

Eine Ananas kann nicht einfach nur „geschnitten werden, damit man sie essen kann“. Am besten sollte sie so aussehen wie die Ananas, die ich als Kind von den Straßenständen kannte – schön geschnitten und mit möglichst viel erhaltenem Fruchtfleisch.

Eine Website kann nicht einfach erst einmal „irgendwie entstehen“. Noch bevor ich angefangen habe, denke ich schon darüber nach, wie ich später die Kategorien organisiere, wie ich alles dreisprachig gestalte, welche Bilder ich verwende und wie ich die Website bekannt mache.

Und selbst ein Lebenslauf kann schwer einfach nur „eine erste Version“ sein. Sobald ich daran denke, denke ich gleichzeitig schon an Bewerbungen, Absagen, Vorstellungsgespräche und an die spätere Arbeit.

Noch bevor ich den ersten Schritt gemacht habe, bin ich in meinem Kopf schon die nächsten dreißig Schritte gegangen.

Natürlich fühlt sich die Sache dann schwer an.

Das Absurde daran ist, dass mir schon die erste Ananas eine ziemlich konkrete Lektion erteilt hatte.

Weil ich keine Methode benutzen wollte, bei der zu viel Fruchtfleisch verloren geht, verschwendete ich am Ende die ganze Ananas.

Eigentlich wollte ich mehr erhalten.

Am Ende blieb gar nichts übrig.

Die zweite Ananas hätte beinahe genau dieselbe Geschichte wiederholt.

Nur diesmal akzeptierte ich schließlich, nachdem ich die „perfekte Methode“ einfach nicht finden konnte, eine weniger schöne Methode – eine, die mir eigentlich sogar ein bisschen missfiel.

Dabei ging etwas Fruchtfleisch verloren.

Aber wenigstens wurde die Ananas geschnitten.

Danach legte ich sie, so wie ich es aus meiner Kindheit kannte, eine Weile in Salzwasser.

Meine Tochter probierte ein Stück und war sofort unzufrieden.

„Warum ist diese Ananas so salzig?“

Ich musste ihr erklären, dass wir Ananas früher als Kinder immer in Salzwasser gelegt hatten und dass ich es so in Erinnerung hatte, dass sich der Mund danach weniger rau und gereizt anfühlt.

Sie war trotzdem nicht überzeugt.

Also bat ich sogar ihren Vater, es ihr noch einmal zu erklären.

Am Ende nahm ich die Ananas einfach wieder, spülte sie unter klarem Wasser ab und gab ihr noch einmal etwas davon.

Sie fand immer noch, dass sie irgendwie komisch schmeckte.

In diesem Moment musste ich selbst ein bisschen lachen.

Ich hatte tagelang vor dieser Ananas herumgedruckst, hatte mich endlich dazu überwunden, sie zu schneiden – und was bekam ich am Ende dafür? Sicher kein begeistertes „Mama, das hast du toll gemacht“, sondern ein Kind, das meine Fähigkeiten in der Ananasverarbeitung ausgesprochen kritisch betrachtete.

Aber genau das machte die Sache irgendwie passend.

Das wirkliche Leben hat nur selten so wunderbar perfekte Enden.

Nur weil man etwas, das man lange aufgeschoben hat, endlich anfängt, bedeutet das nicht, dass man es besonders schön erledigt.

Nur weil man endlich eine Website aufbaut, bedeutet das nicht, dass sofort jemand darauf liest.

Nur weil man endlich eine Bewerbung abschickt, bedeutet das nicht, dass keine Absage kommen kann.

Nur weil man endlich etwas ausprobiert, bedeutet das nicht, dass das Ergebnis gut sein wird.

Aber all das ist etwas anderes, als überhaupt nicht anzufangen.

Früher dachte ich oft, ich müsse erst eine bessere Methode finden und dann beginnen.

Inzwischen denke ich immer häufiger, dass wir oft gar keine perfekte Methode brauchen. Wir brauchen zunächst nur eine Methode, mit der etwas überhaupt stattfinden kann.

Diese „Eine Ananas in einer Minute“-Methode finde ich noch immer nicht besonders elegant. Wenn ich in Zukunft regelmäßig Ananas kaufen sollte, werde ich vielleicht noch herausfinden, wie man sie schöner schneidet und dabei weniger Fruchtfleisch verliert.

Aber das ist die nächste Sache.

Heute war nur eines wichtig:

Diese Ananas sollte nicht wieder verrotten.

Mit manchen anderen Dingen im Leben ist es ähnlich.

Erst die Website aufbauen. Verbessern kann ich sie später.

Erst den Lebenslauf fertigstellen. Feinschliff kann später kommen.

Erst die erste Bewerbung abschicken. Dann sehen, was passiert.

Eine Sache zunächst von „Ich denke ständig daran, dass ich das tun sollte“ zu „Ich habe es einmal gemacht“ bringen.

Denn vielleicht ist bei vielen Dingen der schwierigste Teil gar nicht dieser komplizierte Prozess, den wir uns vorher vorstellen.

Vielleicht besteht der schwierigste Teil einfach darin, das Messer in die Hand zu nehmen und den ersten Schnitt zu machen.

Diese Ananas lag so viele Tage auf unserem Esstisch. Sie war voller Stacheln, sah hart und lästig aus.

Doch als ich schließlich wirklich hineinschnitt, merkte ich:

Sie war gar nicht so schwer zu bewältigen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Dieser Text ist auch in anderen Sprachen verfügbar:

Chinesische Version: 我拖了好几天没有切一个菠萝,最后却只用了三分钟

Englische Version: I Put Off Cutting a Pineapple for Days. In the End, It Took Me Three Minutes.

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