A thoughtful mother sits at a table at home, looking at her phone while surrounded by packaged hair clips, bows, and small accessories, reflecting the hope of earning money from home and the hidden risks behind online packaging job ads.

Von Jane Sonnenschein · 4. August 2026

„Wenn eine Arbeit wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn ergibt, sucht das Unternehmen oft keine Beschäftigten, sondern Opfer.“

Obwohl ich seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland lebe, bin ich bei internationalen sozialen Medien wie Facebook, Instagram und TikTok eigentlich noch immer eine Anfängerin.

Bei TikTok habe ich mich etwas früher angemeldet, ungefähr um das chinesische Neujahrsfest im vergangenen Jahr. Anfangs veröffentlichte ich dort allerdings kaum etwas und öffnete die App auch nur selten. Erst gegen Ende des vergangenen Jahres begann ich, meinen Account ernsthafter zu aktualisieren, und beschäftigte mich allmählich mehr mit der Plattform. Instagram und Facebook kamen noch später dazu, ungefähr Ende letzten Jahres oder Anfang dieses Jahres.

Auch früher kannte ich vor allem chinesische Plattformen wie WeChat, Chinas wichtigste Messaging- und Social-Media-App, und Xiaohongshu, eine Plattform für Lifestyle-Inhalte und persönliche Empfehlungen, die oft ungefähr mit einer Mischung aus Instagram und Pinterest verglichen wird. In den vergangenen Jahren hatte ich allerdings auch diese Plattformen nur selten genutzt.

Da Chinesisch meine Muttersprache ist, habe ich gegenüber den typischen Marketingmaschen, Nebenjob-Betrügereien und Fallen in persönlichen Netzwerken des chinesischsprachigen Internets dennoch eine gewisse instinktive Wachsamkeit entwickelt.

Vor Kurzem begann ich nach einer Pause von mehr als einem halben Jahr wieder damit, meine internationalen Social-Media-Accounts zu aktualisieren, um auf meine unabhängige Website aufmerksam zu machen. Dadurch scrollte ich gelegentlich auch wieder durch meine Startseiten.

Dabei fiel mir auf, dass auf Instagram sehr viele Stellenanzeigen auftauchten, die mir merkwürdig vorkamen.

Fast keine dieser Anzeigen verlangte einen Schulabschluss, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse oder irgendwelche besonderen Fähigkeiten. Trotzdem wurde eine Bezahlung versprochen, die erstaunlich gut klang. Die Tätigkeiten waren ganz unterschiedlich: Haarspangen, Schlüsselanhänger, Kämme, Blumen, Bücher, Medikamente oder andere kleine Waren zu Hause verpacken.

In den Videos mussten die Menschen lediglich eine Haarspange auf eine Pappkarte stecken, einen Schlüsselanhänger in einen Plastikbeutel legen oder ein paar kleine Gegenstände in eine Schachtel packen. Die Bilder wirkten meist sauber und schlicht, manchmal sogar fast beruhigend. Außerdem wurde ausdrücklich betont, die Arbeit sei zeitlich flexibel. Man könne Geld verdienen und trotzdem genügend Zeit mit seinen Kindern verbringen.

Anfangs verstand ich nicht, seit wann es in Deutschland plötzlich so viele gut bezahlte Verpackungsarbeiten gab, die man von zu Hause aus erledigen konnte.

Heute sah ich dann mehrere ähnliche Anzeigen hintereinander und rechnete die entstehenden Kosten noch einmal genauer durch. Da wurde mir plötzlich klar: Ich hatte keine neue Form der Beschäftigung übersehen. Diese Anzeigen hatten von Anfang an gar nicht ernsthaft nach Arbeitskräften gesucht.

Sobald man die Kosten durchrechnet, ergibt diese Arbeit keinen Sinn mehr

Ich habe selbst Produkte verkauft und kenne mich mit Verpackung, Lagerbestand und internationalem Versand aus. Wenn ich solche Anzeigen sehe, frage ich deshalb nicht zuerst:

„Könnte ich diese Arbeit machen?“

Ich frage mich:

„Wenn ich die Unternehmerin wäre, warum sollte ich die Arbeit auf diese Weise organisieren?“

Wenn ein Unternehmen tatsächlich eine große Menge Haarspangen, Haarschleifen oder Schlüsselanhänger verpacken müsste, könnte es die Waren bereits beim Hersteller verpacken lassen. Viele solche Kleinwaren werden ohnehin in Ländern produziert, in denen Arbeits- und Herstellungskosten niedriger sind.

Sie dort direkt verpacken zu lassen, wäre eindeutig günstiger, als die unverpackten Produkte zunächst nach Deutschland zu transportieren und sie anschließend auf die Wohnungen unzähliger fremder Menschen zu verteilen.

Selbst wenn die Waren bereits in Deutschland angekommen wären und neue Etiketten, andere Verpackungen oder zusammengestellte Sets bräuchten, könnte ein normales Unternehmen diese Arbeit im eigenen Lager, in einem Logistikzentrum oder von einem professionellen Verpackungsdienst erledigen lassen.

Dort gibt es eine Bestandsverwaltung, Qualitätskontrollen und klar geregelte Verantwortlichkeiten. Nach dem Verpacken können die Waren direkt eingelagert oder an die Kunden verschickt werden.

Warum sollte ein Unternehmen Produkte und Verpackungsmaterialien zuerst an eine völlig fremde Person nach Hause schicken, warten, bis sie alles verpackt hat, und anschließend noch einmal dafür bezahlen, dass die Waren zurückgeschickt werden?

Beide Transportwege kosten Geld. Die Produkte könnten verloren gehen oder beschädigt werden. Die Stückzahlen könnten nicht stimmen, und die Verpackung könnte den Qualitätsanforderungen nicht entsprechen. Die Person könnte eine falsche Adresse angeben oder nach Erhalt der Waren einfach verschwinden.

Das Unternehmen müsste außerdem einzeln erfassen, wie viele Produkte an jede Person verschickt wurden und wie viele zurückkamen. Es müsste jede Verpackung kontrollieren und sich anschließend noch mit Verlusten, Fehlern und Streitigkeiten beschäftigen.

Kein seriöses Unternehmen würde diese Risiken und Verwaltungskosten einfach ignorieren.

Hinzu kommt, dass der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland seit Januar 2026 bei 13,90 Euro pro Stunde liegt, also fast 14 Euro. Wenn man mit dem Befestigen von Haarspangen auf Pappkarten oder dem Einpacken von Schlüsselanhängern tatsächlich von zu Hause aus deutlich mehr verdienen könnte als in einer gewöhnlichen Fabrikarbeit, müsste ein Unternehmen diese Stellen nicht ständig mit bezahlten Instagram-Anzeigen bewerben.

Es könnte sie einfach auf etablierten Jobportalen oder bei der Arbeitsvermittlung veröffentlichen und würde mehr als genug Bewerbungen erhalten.

Wenn eine Arbeit also gleichzeitig keine Zugangsvoraussetzungen hat, von zu Hause aus erledigt werden kann, völlig freie Zeiteinteilung verspricht, extrem einfach ist und trotzdem ungewöhnlich gut bezahlt wird, sollte man nicht denken:

„Vielleicht probiere ich es einfach einmal aus.“

Am sichersten ist es, sie direkt als möglichen Betrug zu behandeln.

Es erinnerte mich an die frühe Weishang¹-Welle in China

Als ich diese Anzeigen sah, musste ich an die große Weishang-Welle denken, die es vor vielen Jahren in China gab.

Der Begriff bezeichnete ursprünglich keine klar abgegrenzte Branche. Er entstand mit der schnellen Verbreitung des mobilen Internets und von WeChat. Gemeint waren Menschen, die über WeChat Moments, den persönlichen Feed innerhalb der App, über Gruppenchats und private Nachrichten Waren verkauften oder weitere Vertriebspartner anwarben.

Einige verkauften Gesichtsmasken, Nahrungsergänzungsmittel, Hautpflegeprodukte, Lebensmittel oder Haushaltswaren. Andere arbeiteten als private Einkaufsvermittler oder Wiederverkäufer.

Weishang war nicht automatisch Betrug.

Manche Menschen verdienten tatsächlich Geld, weil sie echte Produkte verkauften, einen stabilen Kundenkreis aufbauten und langfristig arbeiteten.

Während dieser Welle verlagerte sich bei vielen Projekten der Schwerpunkt jedoch allmählich. Es ging immer weniger darum, Produkte an Menschen zu verkaufen, die sie wirklich brauchten. Stattdessen wurden immer mehr neue Vertriebspartner angeworben, Aufnahmegebühren verlangt und untergeordnete Verkäufer dazu gebracht, große Warenmengen auf eigene Kosten einzukaufen.

Später warnten auch chinesische Behörden wiederholt davor, dass manche Organisationen Begriffe wie „Weishang“, „E-Commerce“ oder „mehrstufiger Vertrieb“ verwendeten, um Menschen mit hohen Gewinnversprechen anzulocken. Die Teilnehmer mussten Geld zahlen, weitere Personen anwerben und erhielten Vergütungen, die sich nach der Zahl oder dem Umsatz ihrer angeworbenen Untergruppen richteten.

Nach chinesischem Recht gehören genau solche Merkmale zu den typischen Kennzeichen verbotener Pyramidensysteme.

Viele Menschen, die in der ersten Phase mit solchen Projekten Geld verdienten, waren nicht unbedingt deshalb erfolgreich, weil sich die Gesichtsmasken, Nahrungsergänzungsmittel oder anderen Produkte besonders gut verkauften.

Sie verdienten Geld, weil sie früh genug eingestiegen waren und immer neue Ebenen von Vertriebspartnern anwerben konnten.

Die Menschen, die später dazukamen, bezahlten Aufnahmegebühren, kauften Starterpakete oder legten sich große Lagerbestände zu. Die Personen über ihnen erhielten wiederum Provisionen aus diesem Geld und den dadurch entstandenen Umsätzen.

Das Produkt war manchmal kaum mehr als eine Requisite, mit der das Ganze nach einem normalen Geschäft aussehen sollte.

Am Laufen gehalten wurde das System vor allem dadurch, dass immer neue Menschen glaubten, sie könnten ebenfalls nur mit einem Smartphone, ein paar Werbebeiträgen auf WeChat Moments und einem selbst aufgebauten Team das Leben der erfolgreichen Personen über ihnen kopieren.

Damals waren die Feeds voller Screenshots von Überweisungen, Angaben über die Größe der Teams, Luxusautos, Reisen, großen Jahresveranstaltungen und Geschichten über „ganz normale Mütter“, die angeblich ihr Leben vollkommen verändert hatten.

Die Menschen an der Spitze der Pyramide sagten den später Hinzukommenden immer wieder:

„Früher war ich genauso wie du. Ich hatte nichts. Ich hatte nur ein Smartphone, und heute bin ich endlich finanziell unabhängig.“

Viele bemerkten jedoch nicht, dass die Menschen, die es tatsächlich geschafft hatten, häufig schon Voraussetzungen mitbrachten, über die eine gewöhnliche Mutter zu Hause nicht verfügte: ein größeres soziales Netzwerk, bessere Kommunikationsfähigkeiten, einen bestehenden Kundenkreis, familiäre oder berufliche Glaubwürdigkeit, genügend Startkapital und die finanzielle Möglichkeit, lange Zeit ohne Gewinn auszukommen.

Auch ich habe damals versucht, mit Weishang Geld zu verdienen.

Als meine Tochter geboren wurde, war unsere familiäre Situation schwierig. Mein Mann war gesundheitlich angeschlagen, und natürlich wollte ich eine Möglichkeit finden, mich um mein Kind zu kümmern und gleichzeitig ein eigenes Einkommen zu haben.

Damals glaubte ich ebenfalls, dass es vielleicht funktionieren könnte, wenn ich nur das richtige Produkt fände und regelmäßig Beiträge auf WeChat Moments veröffentlichte.

Aber alle, die es selbst ausprobiert haben, wissen, dass es bei Weitem nicht so einfach ist, wie die Werbung behauptet.

Man braucht genügend Bekannte. Die Menschen müssen einem vertrauen. Man muss ständig mit möglichen Kunden sprechen, verkaufen, Fragen beantworten und Beziehungen pflegen.

Und jedes Mal, wenn man etwas veröffentlicht und niemand reagiert, muss man mit einem ganz besonderen Gefühl der Enttäuschung umgehen. Es fühlt sich dann fast so an, als wollten die Menschen nicht nur das Produkt nicht haben, sondern als würden sie einen selbst nicht mögen.

Später schrieb ich mehrere Artikel über Weishang und darüber, welche Menschen in diesem Bereich eher erfolgreich sein konnten.

Sehr oft hing das Ergebnis nicht nur vom persönlichen Einsatz ab, sondern davon, welche Ressourcen, Beziehungen, Vertrauensvorschüsse und sozialen Netzwerke jemand bereits besaß.

Trotzdem zeigten Weishang-Anbieter am liebsten die seltenen Geschichten von einer „ganz gewöhnlichen Mutter, die nichts außer einem Smartphone hatte und damit ihr gesamtes Leben veränderte“.

Denn genau solche Geschichten brachten Menschen am ehesten dazu, Geld auszugeben.

Betrüger zielen nicht auf Gier, sondern auf eine schwierige Lebenslage

Warum warben so viele der frühen Weishang-Projekte gezielt Mütter an?

Weil es in der Lebenssituation vieler Mütter zahlreiche verletzliche Punkte gab, die sich ausnutzen ließen.

Als meine Tochter geboren wurde, waren bezahlbare Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren, denen Eltern wirklich vertrauten, in vielen chinesischen Familien meines Umfelds nur sehr begrenzt vorhanden.

Wenn die Großeltern nicht helfen konnten, musste eine Mutter, die wieder arbeiten wollte, zunächst klären, wer sich um das Kind kümmern sollte.

Viele Frauen mussten ihre Arbeit schließlich vorübergehend aufgeben und ihr Kind zu Hause in Vollzeit betreuen.

Ein Kind den ganzen Tag zu versorgen, ist selbstverständlich sehr anstrengend. Doch weil diese Arbeit kein direktes Einkommen bringt, verlieren viele Frauen innerhalb der Familie nach und nach ihre finanzielle Freiheit.

Bei jeder Ausgabe müssen sie ihren Mann um Geld bitten. Im Chinesischen beschreibt man diese Abhängigkeit manchmal mit dem Bild einer nach oben geöffneten Hand.

Wenn der Mann ihre Leistung versteht und respektiert und die Beziehung relativ gleichberechtigt ist, kann eine Familie diese Phase möglicherweise ohne größere Konflikte überstehen.

Wenn der Mann sie jedoch nicht respektiert oder das Verhältnis zur Schwiegermutter angespannt ist, kann die Frau leicht in eine sehr schmerzhafte Situation geraten. Sie leistet jeden Tag eine große Menge unsichtbarer Arbeit. Weil sie aber kein eigenes Einkommen hat, wird so getan, als trage sie nichts bei.

Sie möchte ihre Lage verändern, hat jedoch weder längere ungestörte Zeit, um etwas Neues zu lernen, noch genügend Freiheit, um sich eine andere Arbeit zu suchen.

„Du kannst Geld verdienen und dich trotzdem um deine Kinder kümmern.“

„Mit einem einzigen Smartphone kannst du dein eigenes Geschäft aufbauen.“

„Du musst nie wieder von jemandem abhängig sein.“

„Auch Mütter können finanzielle Freiheit erreichen.“

Solche Versprechen wirkten nicht deshalb, weil alle Mütter gierig waren. Sie trafen einige ihrer ehrlichsten und tiefsten Wünsche.

Vielleicht wollte eine Frau weder ein Luxusauto noch über Nacht reich werden.

Vielleicht wollte sie einfach etwas kaufen können, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Vielleicht wollte sie wissen, dass sie im Falle eines unerträglichen Konflikts noch die Möglichkeit hätte zu gehen. Vielleicht wollte sie beweisen, dass sie mehr war als jemand, dessen Leben sich nur zwischen Kind und Küche abspielte und der keinen eigenen wirtschaftlichen Wert besaß.

Viele der damaligen Weishang-Projekte verkauften Müttern in Wirklichkeit keine Gesichtsmasken.

Sie verkauften ihnen ein Einkommen, Würde und die Hoffnung, wieder mehr Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen.

Die heutigen Instagram-Anzeigen für „Verpackungsarbeit von zu Hause“ verkaufen noch immer genau dasselbe.

Früher verbreiteten sich die Angebote über Bekannte auf WeChat Moments und über Geschichten von „erfolgreichen Müttern“. Heute können sie mithilfe des Werbesystems der Plattformen ein viel größeres Netz auswerfen.

Früher dachte man vielleicht:

„Ich kenne sie. Wenn sie damit Geld verdient, kann ich es vielleicht auch.“

Heute denkt man:

„Wenn diese Anzeige als gesponserter Beitrag auf Instagram erscheinen darf, muss die Plattform sie doch wenigstens irgendwie überprüft haben.“

Das Vertrauen, das früher durch eine bekannte Person im eigenen Umfeld entstand, wurde durch die stillschweigende Glaubwürdigkeit einer bezahlten Plattformwerbung ersetzt.

Die Betrugsmasche ist nicht raffinierter geworden.

Sie erreicht Menschen lediglich schneller, in größerer Zahl und viel gezielter.

Was wollen diese falschen Stellenanzeigen eigentlich von dir?

Heute meldete ich vier oder fünf solcher Anzeigen direkt hintereinander.

Ich meldete eine, und gleich darunter erschien die nächste. Ich meldete auch diese, und kurze Zeit später tauchte wieder eine auf. Es fühlte sich an, als würden sie sich wie Kakerlaken immer weiter vermehren.

Dabei entstand sogar ein absurdes Gefühl: Je länger ich mir die Anzeigen ansah, desto eher schien die Plattform meine Aufmerksamkeit als Interesse zu verstehen und mir noch mehr ähnliche Werbung zu zeigen.

Wenn solche Anzeigen Menschen erst einmal in eine private Unterhaltung gelockt haben, folgen sie nicht alle derselben Betrugsform.

Bei manchen falschen Stellenanzeigen existiert die angebliche Verpackungsarbeit überhaupt nicht. Ihr einziges Ziel ist es, Namen, Adressen, Geburtsdaten, Bankverbindungen und Fotos von Ausweisdokumenten zu sammeln. Manche bringen Bewerber sogar dazu, eine Identitätsprüfung per Video durchzuführen.

Deutsche Verbraucherzentralen warnen davor, dass solche Daten verwendet werden können, um Bankkonten zu eröffnen, Verträge abzuschließen, betrügerische Onlineshops zu betreiben oder andere Formen von Identitätsdiebstahl zu begehen.

Bei einer anderen Variante wird einem nach dem Ausfüllen der Angaben mitgeteilt, man sei „angenommen“ worden. Bevor man anfangen könne, müsse man jedoch für Materialien, eine Kaution, eine Schulung, einen Mitarbeiterausweis oder die Aktivierung einer Software bezahlen.

Der erste Betrag ist vielleicht nicht besonders hoch. Genau deshalb glauben viele Menschen, es könne nicht schaden, ihn zu zahlen.

Sobald die erste Zahlung erfolgt ist, tauchen jedoch immer neue Gebühren auf.

Dann gibt es noch die inzwischen weit verbreiteten sogenannten Task Scams, also Betrugsmaschen mit angeblich einfachen Online-Aufgaben.

Die Betrüger fordern einen zunächst vielleicht nur dazu auf, Beiträge zu liken, Produkte zu bewerten oder einige einfache Aufgaben zu erledigen. Manchmal überweisen sie am Anfang sogar wirklich ein paar Euro, damit man glaubt, die Arbeit sei echt.

Sobald Vertrauen entstanden ist, verlangen sie, dass man selbst Geld einzahlt. Sie behaupten, nur durch eine Vorauszahlung könne man Aufgaben mit höheren Provisionen freischalten. Oder man müsse einen angeblich negativen Kontostand ausgleichen, bevor eine Auszahlung möglich sei.

Die deutsche Polizei warnt ausdrücklich vor dieser Art von Betrug. Die kleinen Zahlungen zu Beginn dienen nur als Köder. Das eigentliche Ziel besteht darin, die Opfer dazu zu bringen, immer mehr eigenes Geld einzuzahlen.

Noch gefährlicher ist eine weitere Möglichkeit: Die angebliche Firma schickt tatsächlich Pakete an die eigene Adresse und fordert einen auf, Etiketten auszutauschen, die Waren neu zu verpacken und anschließend an eine andere Anschrift weiterzuschicken.

Man glaubt dann vielleicht, endlich die versprochene Verpackungsarbeit erhalten zu haben.

In Wirklichkeit könnten die Waren mit gestohlenen Kreditkarten, falschen Konten oder durch andere Betrugsmethoden gekauft worden sein.

Die Polizei bezeichnet Menschen, die auf diese Weise benutzt werden, als Waren- oder Paketagenten. Bewerber können, ohne es zu wissen, Kriminellen dabei helfen, gestohlene Waren weiterzuleiten. In den Versandunterlagen und später möglicherweise auch in den Polizeiakten stehen jedoch der eigene Name und die eigene Adresse.

Das erklärt auch, warum diese Anzeigen zu Beginn so viele persönliche Informationen verlangen.

Vielleicht wollen die Betrüger dein Geld.

Vielleicht wollen sie deine Identität, dein Bankkonto und deine Adresse.

Möglicherweise suchen sie auch jemanden, der für sie Waren annimmt und weiterschickt oder Geld überweist.

Die angebliche „Arbeit“ ist nur der Eingang, durch den man dazu gebracht wird, all diese Dinge freiwillig herauszugeben.

Je schlechter die wirtschaftliche Lage wird, desto gefährlicher werden solche Anzeigen

Wenn der Arbeitsmarkt schwierig ist, die Lebenshaltungskosten steigen und viele Menschen dringend nach einer Einnahmequelle suchen, werden solche Anzeigen besonders gefährlich.

Je weniger Geld jemand hat, desto mehr Hoffnung kann er in Versprechen wie „keine Ausbildung erforderlich“, „keine Berufserfahrung nötig“, „sofort anfangen“ und „von zu Hause aus Geld verdienen“ setzen.

Und je schwieriger es ist, eine Arbeit zu finden, desto eher fragt man sich, ob es vielleicht tatsächlich eine Möglichkeit gibt, von der man bisher einfach nichts wusste.

Doch ausgerechnet die Menschen, die durch solche Anzeigen am leichtesten erreicht werden, können sich einen Verlust am wenigsten leisten.

Wenn ein wohlhabender Mensch einige Hundert Euro verliert, ist das vielleicht nur eine unangenehme Erfahrung.

Wenn eine Mutter ohne eigenes Einkommen, die sich ohnehin Sorgen um Miete und Lebenshaltungskosten macht, einige Hundert Euro verliert, kann das bedeuten, dass die ganze Familie für den Rest des Monats in Schwierigkeiten gerät.

Sie wollte selbst ein wenig Geld verdienen. Stattdessen verliert sie möglicherweise ihre Ersparnisse, gibt ihre Identitätsdaten preis und gerät in manchen Fällen sogar in komplizierte rechtliche Probleme.

Deshalb möchte ich nicht sicher am Ufer stehen und über Menschen lachen, die auf solche Betrugsmaschen hereinfallen, und fragen, wie man etwas so Offensichtliches glauben konnte.

Auch ich habe Zeiten erlebt, in denen es meiner Familie schlecht ging und ich unsere Situation unbedingt verändern wollte. Ich habe damals verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, die nach einem möglichen Ausweg aussahen.

Ich weiß, dass man eine noch so schwache Möglichkeit umso leichter für ein rettendes Seil hält, je verzweifelter man nach einem Ausgang sucht.

Verurteilt werden sollten nicht die Menschen, die nach dieser Hoffnung greifen.

Verurteilt werden sollten diejenigen, die die Not anderer genau untersuchen und daraus eine Falle bauen.

Geld verdienen zu wollen ist nicht falsch – aber vertraue deine Hoffnung nicht einer Werbeanzeige an

Es ist nicht falsch, Geld verdienen zu wollen und sich gleichzeitig um die eigenen Kinder zu kümmern.

Es ist auch nicht falsch, finanziell unabhängig sein zu wollen und nicht für immer den Partner um Geld bitten zu müssen.

Eine echte Arbeitsstelle muss jedoch der einfachsten wirtschaftlichen und praktischen Überprüfung standhalten.

Wer ist das Unternehmen? Wo ist es registriert? Gibt es eine seriöse Website und ein vollständiges Impressum? Wo wird die Arbeit ausgeführt? Welche Vertragsform wird angeboten? Wie wird die Vergütung berechnet? Wie werden die Waren übergeben, und wer trägt die Verantwortung, wenn etwas verloren geht oder beschädigt wird?

Auf all diese Fragen sollte es klare Antworten geben.

Wenn ein angeblicher Arbeitgeber nur über Instagram-Nachrichten, WhatsApp oder Telegram kommunizieren will, aber nicht eindeutig sagen kann, welches Unternehmen dahintersteht, solltest du sofort aufhören.

Wenn noch kein richtiger Vertrag vorliegt, aber bereits Ausweisdokumente, Bankdaten oder eine VideoIdent-Prüfung verlangt werden, solltest du ebenfalls abbrechen.

Wenn du eine Kaution zahlen, Materialien kaufen oder Geld einzahlen sollst, bevor die Arbeit überhaupt begonnen hat, solltest du nicht weitermachen.

Und wenn du dein eigenes Konto für Überweisungen verwenden oder Pakete unbekannter Herkunft annehmen und weiterschicken sollst, solltest du sofort aussteigen.

Natürlich gibt es in Deutschland seriöse Tätigkeiten, für die kein Hochschulabschluss erforderlich ist. Aber je höher die Bezahlung, je besser die Bedingungen und je sicherer die Stelle, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ein Arbeitgeber überhaupt keine Anforderungen stellt.

Ein Abschluss sagt nicht alles darüber aus, was ein Mensch kann. Trotzdem ist er für viele Unternehmen eine Art Eintrittskarte zum Vorstellungsgespräch. Auch Sprachkenntnisse, berufliche Qualifikationen, Arbeitserfahrung und nachweisbare Fähigkeiten müssen über längere Zeit aufgebaut werden.

Dieser Weg kann langsam sein.

Er klingt sicher weniger verlockend als das Versprechen, man könne zu Hause sitzen, ein paar Haarspangen in Plastikbeutel legen und damit jeden Monat mehrere Tausend Euro verdienen.

Aber das wirkliche Leben bietet nur selten solche Abkürzungen.

Wenn eine Arbeit scheinbar fast keinen Aufwand und keine Kosten verursacht, aber ein Einkommen verspricht, das jedem gesunden Menschenverstand widerspricht, sollte man versuchen, die Situation aus der Perspektive des Arbeitgebers zu betrachten und sich eine einfache Frage stellen:

Warum sollte dieses Unternehmen mir so viel Geld bezahlen?

Wenn sich darauf keine vernünftige Antwort finden lässt, sollte man keine weiteren Formulare ausfüllen. Man sollte sich auch nicht unter Druck setzen lassen, nur weil jemand behauptet, die Zahl der Plätze sei begrenzt.

Denn was in diesen Anzeigen wirklich verpackt wird, sind keine Haarspangen, Schlüsselanhänger oder Kämme.

Es ist die Hoffnung eines Menschen in einer schwierigen Lebenssituation, selbst Geld zu verdienen und damit Freiheit und Würde zurückzugewinnen.


1. Weishang (微商): Ein weit gefasster chinesischer Begriff, der mit der Verbreitung mobiler sozialer Medien und vor allem von WeChat populär wurde. Gemeint sind Einzelpersonen oder kleine Teams, die Produkte über persönliche Netzwerke wie WeChat Moments, Gruppenchats und private Nachrichten verkaufen und teilweise weitere Vertriebspartner anwerben. Einige arbeiteten wie gewöhnliche Händler im Social Commerce. Andere Modelle stützten sich stark auf mehrstufige Anwerbung, Vorabkäufe und die Verpflichtung, größere Warenbestände zu übernehmen, wodurch sie einem Pyramidensystem ähneln konnten.

Dieser Text ist auch in anderen Sprachen verfügbar:

Chinesische Version: 真正被包装的,不是发卡,而是一个妈妈想靠自己赚钱的希望

Englische Version: What’s Really Being Packaged Isn’t Hair Clips — It’s a Mother’s Hope of Earning Her Own Money

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